Michael Heering – Allesandereistprivat

Eine herzliche Einladung zur Ausstellung
»Alles andere ist privat« von Michael Heering

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Finissage am So. 25. September 2011 ab 16 Uhr
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Es wird eng im Elektrohaus. Michael Heering zeigt 12 großformatige raumfüllende Leinwände.
Sie sind riesig, sie werden noch nass sein, manche hat er hundertmal übermalt, andere nur einmal…
»Russian teen feeds pink paint« ist der augenzwinkernd verheissungsvolle Titel seiner neuesten Arbeit

…gönnen wir ihm eine Pause.

Austellungsdauer 17.–25. September.
Die Ausstellung ist geöffnet Samstags und Sonntags von 16 – 18Uhr,
sowie nach Vereinbarung per visit@aaip.de.

www.fb.com/events/219987471388917

Malerei die nicht enden mag, so kann man die Arbeiten von Michael Heering beschreiben. In seinen Arbeiten wird das Werk nicht fertig gestellt, vielmehr werden Werke übereinander geschichtet.
Sedimente von Sinn und Material verdichten sich zu immer neuen narrativen Strata. Einzig allein die Leinwand verhält sich hier als Stillstehendes – als Kristallisationspunkt – im Prozess fortwährender Bildproduktion.
Michael Heering malt. Bild auf Bild, Bild über Bild, Bild durch Bild. Auf immer der gleichen Leinwand.
Die Ausstellung „ Alles andere ist privat“ ist folglich nicht ein Abschluss sondern ein notwendiges Innehalten der Malerei. Ein für den Moment zum Stillstand gekommenes Jetzt. Fragil und bereits im Umschlag begriffen.
Das Werk in der Ausstellung ist nur für eine Pause Heerings fortwährender Produktion entzogen. Für den Moment geschlossen und dennoch offen erscheint das Werk hier, denn es hält sich noch in unmittelbarer Nähe zu seiner Produktionsgeschichte. Jedoch muss die Produktionsgeschichte dieser Arbeiten gleichfalls auch als eine Zerfallsgeschichte verstanden werden. Die Anhäufung von Sinn und Mitteln führen das Bild erst zu erhabener Sättigung und schließlich zu Einriss und Verfall seines Grunds.
Heering ist zugleich Maler der Bewegung als auch des Stillstehens.
Der Film als Abfolgeprozess basal stehender Bilder, deren Taktung erst durch das träge sehende Auge zum
flüssigen Lauf auf der immer gleichen Leinwand zusammengezogen werden, ist dieser Malerei ein Verwandter.
Das im filmischen Einzelbild Dargestellte schließt jedoch immer an das Dargestellte des ihm vorausgehenden Einzelbilds an. Erst ein Schnitt wechselt hier die Folge und somit das Grundthema des Bildes.
Die Arbeiten Michael Heerings hingegen machen den Schnitt selbst zum narrativen Element. Zwischen dem Dargestellten herrscht keine Verwandtschaft.
Das in der Ausstellung kurzzeitig festgestellte Werk wird so nie wieder zu sehen sein, es ist bereits überschritten.
Nur durch den Entzug der Leinwand, des absoluten Grunds, kann das jetzige Bild festgestellt werden. Doch diesen Schritt vollzieht nicht der Künstler in seinem fortwährenden Umgang mit der Leinwand.
Heerings Bilder erzählen alles über das Jetzt und schließen nicht an die vor ihnen vergegangen Bilder an, obwohl sie sich gleichfalls einen Grund teilen. Ja sogar einander Grund sind.
Die vorangegangen Bilder bilden keine Metaerzählung. Sie scheinen nicht durch. Sie hatten ihre Zeit. Sie sind nicht verworfen, sie sind einfach nur vergangen.
Werk sein, im Sinne des Tätigseins – nicht im Sinne einer Abgeschlossenheit – diesen ontologischen Status beanspruchen die Arbeiten Heerings. Ein Hernach verlangen. Heering malt nach diesem Existenzial der Zeitlichkeit, seine Arbeiten sind Tätigsein. Ein Werk das fortschreitend gewirkt wird.

Sandra Groll