Ant man bee – Gruppenausstellung

Gruppenausstellung „Ant Man Bee“ – Acht Bildhauer aus Düsseldorf im Elektrohaus Hamburg, Oktober 2012

Das Augenmerk der Ausstellung fällt auf eine Generation von Bildhauern, die zur Zeit der Postmoderne mit ihrem Werk nach Außen traten, also nach der großen Aufmerksamkeit, die die sogenannten Modellbauer (ebenfalls aus Düsseldorf: Schütte, Gerdes, Mucha u.a.) auf sich ziehen konnten. Reagierten diese auf die Kälte und formale Glätte des Minimalismus, in dem sie sich auf historische Inhalte und vormoderne Architektur bezogen und sich durch Zitate und Bearbeitung allgemein gesellschaftlicher Probleme (das „Kollektive Bewußtsein“ war dabei ein wichtiger Begriff) vom allzu Persönlichen abgrenzten, so zeigen die meisten Arbeiten der Teilnehmer dieser Gruppenausstellung eher persönliche, traumatische, durch Mensch, Fauna und Flora beeinflusste Motive. Der Klang und die Gewichtung der Materialien zueinander, das Haptisch-Sinnliche spielt wieder eine größere Rolle. Weniger Erklärungsmodelle als Fragen nach der Enstehung und dem Vergehen menschlichen oder organischen Lebens treiben diese Generation um. Dabei vertrauen und bauen sie auf Bilder und Themen des persönlich Erlebten, lassen Unbewußtes und nicht direkt Einzuordnendes beim Herstellen und Betrachten ihrer Arbeiten zu. Bezugspunkte lassen sich in den skulpturalen Arbeiten des Dadaismus und des Surrealismus (Schwitters, Arp, Hans Bellmer) finden, aber auch die Verletzungen der Kindheit wie bei Louise Bourgeois, Robert Gober oder Joseph Beuys spielen bei der Motivation der ausgestellten Werke eine Rolle. Der künstlerische Zugriff baut auf Individuell-Archaischem, auf gelebtem Umgang mit Formen und Materialien, holt Halbvergessenes, Unterbewußtes zu Tage. So weitet sich das Anschauen der Form zu anderen sinnlichen Wahrnehmungen und Empfindungen, zum Beispiel zu Tastsinn und Geschmack und eventuell auch Geruchssinn. So provoziert zum Beispiel die knochenartige Replik einer Rharbarberstaude die Erinnerung des Betrachters an Farbe, Konsistenz und den sauren Geschmack dieser imposanten Pflanze. Also eine sehr komplexe Kulmination von Empfindungen und Betrachungsweisen, in die sich der Betrachter Einsehen und Einfühlen kann, er wird sozusagen ganzheitlich gefordert und zum Mitsuchenden und Komplizen des Autoren. Diese Gruppenausstellung soll zeigen, dass die Möglichkeiten der modernen Skulptur bei weitem noch nicht ausgereizt sind; sie muß sich nicht ins allzu Konzeptionelle oder Intellektuell-Ironische verflüchtigen oder in von Profis gemachten Gesten verlieren: den eigenen Acker zu bestellen, dabei auch Fehler zu machen („When too perfect, liebe Gott böse“, Nam June Paik), soll wieder möglich sein. Der Titel der Ausstellung: „Ant Man Bee“ ist eine Hommage an den Musiker Captain Beefheart, auf dessen Doppel-LP „Trout Mask Replica“ ist es das letzte Stück auf der dritten Seite:
White ants runnin‘
Black ants crawlin‘
Yellow ants dreamin‘
Brown ants longin‘
All those people longin‘ to be free
Uhuru ant man bee uhuru ant man bee
All the ants in Gods garden they can’t get along
War still runnin‘ on
It’s that one lump uh sugar
That they won’t leave each other ‘lone
Why do yuh have t‘ do this
You’ve got t‘ let us free
Why do yuh have t‘ do this
You’ve got t‘ set us free
Why do yuh have t‘ do this
You’ve got t‘ set us free
Why do yuh have t‘ do this
You’ve got t‘ set us free
Uhuru ant man bee uhuru ant man bee
Now the bee takes his honey then he sets the flower free
But in God’s garden only
Man’n the ants
They won’t set each other be

Dieses Wortspiel aus „Ameisen Mensch Biene“ und „Nicht Mensch sein“ von 1969 hat noch heute und auch in der Zukunft Aktualität. Wie bei Captain Beefheart, der bürgerlich Don van Vliet hieß und in seiner Jugend als Bildhauer begann, liegen den ausgestellten Werken verwandte Motivationen dieses Themas zugrunde.

Thomas Bernstein
25.6.2012