Hermann Rekerb – Heil Held

„Heil Held“ – Hermann Rekerb

Hermann Rekerbs Installationen lassen bei so manchem Betrachter die Gedanken an ein gelebtes oder nicht gelebtes Spießbürgertum (wieder)aufleben. Seine skulpturalen Arbeiten bedienen sich oftmals Gegenständen, die wir eher einer Wohnzimmereinrichtung zuschreiben, als für ein White Cube taugliches Objekt halten würden. Teile eines Wandschrankes, Staubwedel, Sticklätzchen – Elemente wie diese werden in neuer Konstellation zusammengebaut oder umgeformt und erhalten dadurch einen Trophäen-artigen Charakter, als könnten sie wiederum selbst Wohnzimmerwände schmücken. In einer Vase baumeln plötzlich Zepter, eine ehemalige Schrankwand aus dunkler Eiche hängt als überdimensionierter Wimpel von einer Decke.

Man merkt dem Künstler eine Vorliebe für Designgegenstände der 50er und 60er Jahre an und spürt seine Verbundenheit zu gut aussehenden Dingen. „Form follows function“ trifft für seine Arbeiten weniger zu. Sie haben meist keine Funktion, sind nur Kunst. Und dennoch gibt es das Motiv der „Brauchbarkeit“ in Hermann Rekerbs Werk. Einst stapelte er Holzscheite zu mehren Quadern übereinander, welche dann später stückweise in eine brennende Mülltonne wanderten, um lodernd im Feuer aufzugehen. Dabei war der Stapel so konzipiert, dass sich die rechteckigen Holzscheite zu einem perfekten Quader formten, ganz anders also, als man das womöglich aus seinem eigenen Vorgarten kennt. Das Objekt diente einer situativen Inszenierung und hatte eine durchaus reale Funktion, wenngleich die ästhetische Form des Stapels nichts mit der wärmenden Funktion des Holzes zu tun hatte.

Hermann Rekerbs Arbeiten lassen sich nicht über die verwendeten Gegenstände oder Teilgegenstände definieren, sie sind Teil eines künstlerischen Prozesses. Dabei greifen die verwendeten Elemente oftmals Motive aus dem häuslichen Umfeld auf und bringen eine private Seite zum Vorschein. Verstärkt wird dieses durch das Einbringen zufällig gefundener Dinge wie beispielsweise ein Notizzettel oder ein Tütchen mit Amphetaminresten, die durch die Integration in die Arbeit eine intime Spur zeichnen.

Text: Anna-Carla Brokof