Timo Klöppel – „WER HAT IHNEN DAS GESAGT? DER TURM SELBST“

Timo Klöppel – „Wer hat ihnen das gesagt? Der Turm selbst“
www.tkloeppel.de

Finissage: Freitag den 21. Dezember ab 19 Uhr.

DJ’s ab 21:30 Uhr

Paul Speckman aka DJ BOOM BACON [Hip Hop]
Niko aka Weltraumschrott [elektronisch]
kenconsumer [Hip Hop]

siehe auch: fb.com/events/567464909933530

„Irgend etwas muss die Erinnerungen hüten und ihnen dabei ihre Werte als Bilder bewahren“
(Gaston Bachelard, Poetik des Raumes)

Das Elektrohaus Hamburg freut sich, Timo Klöppels erste Soloausstellung in Hamburg bekannt geben zu können. Der Berliner Bildhauer baut mithilfe gefundener Objekte und ausrangierten Baumaterialien wie alten Fenstern, Dielen, Rigipsplatten, Weihnachtskugeln, Treibholz, Kies und Aluminium architektonische Situationen, die er als andauernde Auseinandersetzung mit seelischen Zuständen und Fragestellungen beschreibt.

Klöppels Skulpturen und Räume hinterfragen die Konstruiertheit unserer Wahrnehmung, stülpen das, was wir als Innerlichkeit bezeichnen nach Aussen, verkehren die Ordnung der Dinge und desorientieren uns, um uns auf unsere Einbildungskraft zurückzuwerfen.
Man könnte es genauso gut andersherum sagen: Seine Räume und Bauten verlegen das Äussere ins Innerste, bringen den Kies ins Schlafzimmer und das Meer in die Küche. Es gibt kein Verkriechen und keinen Ort heiler Intimität. Alles ist in ständiger Umordnung begriffen. Die Skulpturen und Räume bewegen sich oftmals während der Ausstellung weiter, verändern sich, werden auseinander genommen und rekonstruiert. Die Veränderung seiner Arbeit in der Zeit ist dabei die eigentliche Botschaft, das Werk nur ein ephemerer Kollaps einer andauernden Idee, die weitermacht.

Klöppels Arbeitsschwerpunkte beinhalten Hütten, Meere, Quanten, Sterne, Schwellen, Sprengungen, Grenzen, Ordnungen. Seelenzustände und die Erforschung unserer inneren Ozeane spielen auch eine wichtige Rolle in seiner Praxis.

Für seine Ausstellung in Hamburg baute der Künstler eine hüttenähnliche Skulptur in einer Zweirauminstallation, Wer Hat Ihnen das Gesagt? Der Turm Selbst. Die Sensibilisierung für die Sprache und Codes der Materie und ihrer Gestalten bildet einen seiner Ausgangspunkte. Erst durch das persönliche Erlebnis seiner Installationen und die aktive Einschreibung des Erlebenden in seinen Weltenentwurf, entsteht die Arbeit.

Ein umgekippter Wegweiser mit nur zwei Richtungen liegt am Boden des Elektrohauses. Die Rückseite einer zerbrochenen, grauen Hütte, die aus einer Wand herausragt steht dahinter. In der Wand ist ein Loch, das von einem Filzvorhang verdeckt wird. Steigt man durch die Wand, gelangt man in einen weiteren Raum, in dem die Vorderseite der Hütte und eine Öffnung zu finden sind, die mit einem roten und blauen Signallicht markiert, zum eintreten einladen.

Von Innen ist die Hütte mit widerspiegelnder Aluminiumfolie tapeziert wie ein Kühlraum. Eine Glühbirne spendet Licht. Schaut man genauer, sind auf dem Aluminium Spuren: Fingerabdrücke, Blutflecken, Kreiselzeichnungen. Höhlenmalereien eines einsamen, träumenden Menschen.

An der Wand des Raumes hängt ein Text aus Zeitungsausschnitten zusammengeklebt wie ein Erpresserbrief. Aber es sind bloß Worte über Glück und über das Nicht-zusammen-sein-können darauf zu finden. Ein kindliches, gemaltes Bild eines Schiffes auf der See hängt auch an der Wand. Wird ein Schiff kommen? Wird von hier darauf gehofft? Das Wunderbare gesucht?

Die Hütte, die man zuerst nur von hinten und verschlossen sah, ist jetzt das verbindende Glied zwischen den zwei getrennten Räumen, eine Brücke. Wenn wir Trennungen aufheben wollen, müssen wir Refugien bauen. Räume, die uns einander nahe bringen und uns selbst unserem Innersten. Es ist eine Konzentrationsübung. Was kann dieser Raum mir sagen? Und wie lang halte ich die selbstauferlegte Isolation darin aus?

Der Boden der Hütte ist mit Zeichenpapier ausgelegt, das die Schuhabdrücke der Besucher fixiert. Wer kommt, hinterlässt und verändert etwas, ob er will oder nicht. Das Werk ist offen und unabgeschlossen. Es wirkt fragil, mit Vorsicht gebaut, und gleichzeitig haftet ihm schon seine Vergängnis an.

In Klöppels Hütte werden wir bespiegelt, unseren Kritzeleien und Fussabdrücken gegenübergestellt. Die Hütte beschützt und bewahrt einerseits Träume und führt uns andererseits unsere Verantwortung und Gewalt im Raum vor. Wir verändern ihn, wirken in ihm und können unseren zurückschauenden Fussabdrücken und Spuren nicht entkommen. Wir können uns nicht in diesem Winkel der Welt verwurzeln, sondern nur kurzzeitige Reflektionen aufnehmen, bevor wir weitergehen müssen.

Timo Klöppels de-architekturierende Erkundungen erspüren den mitunter zwanghaften Gehalten des Behausens und Behaustseins nach und decken die Enge jeden Ordnungsprinzips auf. Er arbeitet improvisierend, frei assoziierend, verunsichernd, spielerisch, nicht selten witzig. Klöppel benutzt seine Installationen als Erkenntnismöglichkeiten und erfahrbare Schwellen zwischen den Zuständen der Psyche und den Räumen der Welt.

Timo Klöppel wurde 1981 in Berlin geboren und studierte nach einer Ausbildung zum Glockengießer freie Kunst bei Tony Cragg, Björn Dahlem und Florian Slotawa an die Universität der Künste in Berlin. Zu seinen jüngsten Ausstellungen gehören Once Upon, Kunstverein Arnsberg (2012), Darf Nicht, Kunsthaus 19-21, Pforzheim (2012), Lamerika, Phoenix-Hallen, Hamburg (2012), Le Trac, Frontviews, Berlin (2012), Polaris, Aussenskulptur, Prinzessinnengärten, Berlin (2012), Licht ist in der kleinsten Hütte, ADS72 Wohnung des Künstlers, Berlin (2012), The Secret Cabinet, Antje Øklesund, Berlin (2012), Künstlerische Produktion, Espace Surplus, Berlin (2011), Tape Modern, Tape Gallery, Berlin (2011), Vast Realms, Tät, Berlin (2011), Phantome, Uferhallen, Berlin (2011), Was mir die Kunst auch bringe, ich bleibe guter Dinge, C.Rockefeller Center For The Contemporary Arts, Dresden (2011), Zwischen Zwei Investoren, Potsdamerstrasse 87, Berlin (2010), Puls, Espace Surplus, Berlin, (2010).

Text: JANA PAPENBROOCK