Nun kann ich ja darüber schreiben, weil die Sache unter Dach und Fach ist. Am 23. Mai habe ich Boran Burchhardt zu einem Gespräch in die Centrum Moschee in der Böckmannstraße begleitet. Es ging um nichts geringeres, als zu fragen, ob die Moschee zur Durchführung des Projekts bereit ist.
Ich filmte Boran, während er die Moschee betrat, und war darauf eingestellt, einige Zeit draußen zu warten, bis er zurückkehren würde. Es dauerte nicht einmal zwei Minuten, und ich hatte Gesellschaft von drei Männern, die aus der Moschee mit schnellem Schritt auf mich zugetreten waren. Ob ich eine Drehgenehmigung hätte, nein, na dann, ok. Ich betonte, dass ich keinen Unfrieden stiften wolle, ehrlich gesagt hatte ich nicht daran gedacht, dass es so ein Problem sein könnte, außerhalb der Moschee zu filmen. Wie ich später erfuhr, resultierte die Gereiztheit daraus, dass unter Kusch ständig verdeckt aus dem Auto gefilmt wurde, so ein Mitglied der Gemeinschaft.
Dem einen der drei erzählte ich, dass mein Freund reingegangen sei, um den Vorstand um die Kooperation bei einem Kunstprojekt zu bitten. Er sei auch im Vorstand, bekam ich zur Antwort. Na super, dann muss ich mich jetzt anstrengen, dass der auch mein Freund wird, dachte ich mir. Ich schlug vor, auf Boran zu warten, damit er bestätigen könnte, warum ich gefilmt hatte.
Nach einer Minute bot mir der Mann mit der dunklen Sonnenbrille eine Führung durch die Moschee an! Die Athmosphäre verbesserte sich. Wir gingen hinein, er zeigte mir den Friseurladen, das Reisebüro und den großen Esssaal, in dem sich bestimmt vierzig Männer aufhielten. Es war kurz nach eins, um halb zwei würde das Freitagsgebet beginnen.
Wir gingen in die erste Etage, wo sich der Gebetsraum befand. Ich zog die Schuhe aus und kontrollierte noch mal mein Handy, damit es nicht ausgerechnet da drinnen klingelte. Wir traten ein, einige Männer saßen schon auf der Erde und waren in die Rede des Imam versunken. Einige schrieben SMS.
Als wir den Raum verlassen hatten, lud mich mein neuer Freund auf einen Tee im Erdgeschoss ein und befand, dass wir uns ja eigentlich ganz gut verstanden hatten. Wir nahmen Platz, ich grüßte die älteren Männer, zu denen wir uns an den Tisch setzten.
Bei der Stadtreinigung arbeitet der Mann, sein Sohn hatte unlängst den zweiten Platz in der Rezitation des Koran gewonnen und unterrichte nun schon selber kleinere. Was denn der Sieger bekomme, wollte ich wissen. Einen Laptop oder eine Reise in die Türkei. Aha. Man habe gute Beziehungen zu den Politikern der Stadt, jeden Tag sei eine Schulklasse hier, um sich anzusehen, wie die Moslems ihre Religion praktizierten.
Wir gingen herzlich auseinander, ich könne ihn jeden Freitag nach der Arbeit dort antreffen. So wird es sein, denn die Sache läuft, wie seit dem letzten Donnerstag klar ist.


