Walk Through ist ein Kunstprojekt zum Steindamm in Hamburg.

Die beteiligten Künstlerinnen und Künstler zeigen ihre Arbeiten vom 18. Juli bis zum 03. August 2008. im öffentlichen Raum sowie im CASINO/FAILED, 16 bis 20 Uhr.

 

“Walk Through” offiziell eröffnet

Geschrieben von: Axel Dürkop | In: Axel Dürkop, Presse

CASINO/FAILED von Berndt Jasper und Lutz KrügerAm Freitag haben die KünstlerInnen des Steindamm-Projekts “Walk Through” zusammen mit vielen BesucherInnen ihr Projekt offiziell eröffnet.

Vor der Arbeit von Berndt Jasper und Lutz Krüger - CASINO/FAILED - an der Ecke Steindamm/Kreuzweg trafen sich am Abend eingeladene Gäste und PassantInnen. Das temporäre Gebäude bleibt noch bis zum 03. August für Interessierte geöffnet.
In der Zeit von 16:00 bis 20:00 Uhr ist dort im Innenraum die Ausstellung “ArtCity-Service” von Móka Farkas und Marte Kiessling zu sehen, die Vorschläge zu einer Umgestaltung des Steindamms zeigt. Wer will, kann die Arbeiten als kritischen Kommentar zu den Bestrebungen der Stadtväter und -mütter zu sehen, Stadtteile Hamburgs “aufzuwerten”, ungeachtet der Folgen für die Menschen des betroffenen Gebiets, die am Veränderungsprozess in der Regel nicht beteiligt werden. Die KünstlerInnen von “ArtCity-Service” freuen sich auf Gespräche mit den BesucherInnen der Ausstellung.

Am Steintorplatz hat das Projekt “Ständer” für viel Irritation gesorgt. Der Kreuzungspunkt zwischen Bahnhof und ZOB wurde am vergangenen Mittwoch um eine türkisfarbene Säule bereichert, die von Janine Eggert, Nadja Frank und Philipp Ricklefs gebaut wurde. “Ein Ort zum Tauschen von Wertstoffen” sei das Objekt, sagt Ricklefs. Menschen, die keinen Wert auf das Pfandgeld ihrer Bier- oder Brauseflasche legten, könnten diese in die vorgesehenen Löcher stecken, anstatt sie in den Müll zu werfen. Andere Menschen wiederum, die vom Sammeln leerer Flaschen lebten, könnten diese dann nehmen und zurückgeben. Den KünstlerInnen ist es nach eigener Aussage nicht so wichtig, ob ihr Objekt wirklich in diesem Sinne genutzt wird. Ihnen liegt daran, auf den Umstand hinzuweisen, dass in einer der wohlhabendsten Städte Deutschlands Menschen auf ein Vielfaches von € 0,08 angewiesen seien, um überleben zu können.

Dirk Meinzer und Anke Wenzel haben in einer Ecke Steindamm/Strahlsunder Straße eine “Dicke Motte” aufgehängt, ein Objekt, das in seiner hochkultivierten Art der Fertigung auf eine 2000 Jahre alte chinesische Vogelscheuche zurückgeht. “Die dicke Motte ist ein Objekt, das die Menschen auf dem Steindamm zum Träumen anregen kann”, sagt Meinzer.

Dort am Steindamm, wo noch bis vor Kurzem das berüchtigte “Horrorhaus” stand, befindet sich nun eine Baustelle. Auf einem Baucontainer zur Straße hin hat Iris Friedrich eine Plane mit einem Foto befestigt. Es zeigt im Hintergrund ein neues Hotel am Ende der Straße, davor die Ruine des ehemaligen “Horrorhauses”. “Intergradation” heißt die Arbeit. Die Perspektive ist so geschickt gewählt, dass sich Ruine und Neubau in der Zweidimensionalität der Fotografie überlagern und so einen Prozess des Entstehens und Vergehens thematisieren. Im Zusammenhang mit der geplanten Veränderung des Stadtteils lässt das Bild erahnen, was nach dem Verschwinden des Alten an Neuem zu erwarten ist.

Seit Mittwoch schon gibt die Gemeinschaftsproduktion von Nanine Renninger und Iris Friedrich Anlass zu Gesprächen mit den Menschen am Steindamm. Die ursprüngliche Idee, die Bilder fotografierter PassantInnen ähnlich wie auf dem “Walk of Fame” in Los Angeles auf dem Gehwegpflaster aufzukleben, hat das schlechte Wetter zunichtegemacht. Einen Abend und einen Tag klebten die Sterne zwischen dem Kreuzweg und dem Steintorplatz, bevor der Dauerregen sie aufweichte.

So wurde aus dem “Walk of Fame” eine “Wall of Fame”. Die Bilder hängen nun an zwei Seiten des CASINO/FAILED. Dass sich das Vorhaben der beiden Künstlerinnen eingelöst hat, mit den Bildern “Stars des Steindamm” zu schaffen, wurde vielfach deutlich durch den Wunsch einiger Betrachter, auch ein solches Foto zu haben. Sie wollten auch dazugehören und fragten mehrfach nach, wann und wo sich ein solcher Stern machen ließe. Viele Geschäftsleute erkannten ihre Kunden wieder und umgekehrt. Die Bilder machten aber auch unangenehme Beobachtungen möglich: Einige Passanten artikulierten mit körperlichen Gesten und Handlungen gegenüber den Fotos offensichtlich ihre Verachtung gegenüber den abgebildeten Personen, vielleicht aufgrund deren Hautfarbe, Religion oder nur aus persönlichen Gründen.

Die Arbeiten von Pitt Sauerwein und Ole Utikal (56K) werden im Laufe der nächsten Tage am Steindamm zu sehen sein.

CASINO/FAILED ist bis zum 03. August in der Zeit von 16:00 bis 20:00 Uhr geöffnet.
Eine Karte zeigt die genauen Orte der Einzelarbeiten, die ebenfalls bis zum 03. August zu sehen sind.

Eine Antwort zu ““Walk Through” offiziell eröffnet”

  1. hartmut sagt am 21.07.2008 um 22:33

    http://kritik-und-kunst.blog.de/2008/07/21/walk-through-kuenstler-am-steindamm-4480653

    mfg, genau lesen, bevor Ihr Euch empört

    hartmut

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